In Brasilien leben überdurchschnittlich viele der ältesten Menschen. 160 von Ihnen (darunter 20 über 110 Jahre) hat die Universität von São Paulo wissenschaftlich begleitet, um Gründe für das lange Leben zu finden.
Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Resilienz
Für die Wissenschaft seien Supercentenarians weit mehr als nur ein Beispiel für biologische Möglichkeiten. Sie stünden eher für Widerstandsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Resilienz – genau jene Eigenschaften, die die biomedizinische Forschung entschlüsseln müsse, wenn es nicht nur um die Verlängerung der Lebensspanne, sondern auch um die Verbesserung der Lebensqualität alternder Bevölkerungsgruppen geht. Anstatt lediglich ein hohes Alter zu erreichen, widersetzten sich diese Menschen aktiv den Zeichen des Alterns und lieferten so Erkenntnisse, die unser Verständnis von Langlebigkeit grundlegend verändern und zukünftige Interventionen zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne beeinflussen könnten.
Mehr Wert auf gemischte Herkunft legen
So fordert Mayana Zatz, korrespondierende Autorin und Professorin an der Universität von São Paulo: "Internationale Konsortien für Langlebigkeit und Genomik sollten ihre Rekrutierung auf Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Abstammung und gemischter Herkunft, wie beispielsweise die brasilianische, ausweiten oder finanzielle Unterstützung für genomische, immunologische und longitudinale Studien bereitstellen, die den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn vertiefen und die Chancengleichheit in der globalen Gesundheitsforschung verbessern".
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Brasilien trotz der hohen Anzahl Hundertjähriger immer noch niedriger als in Deutschland. Können Frauen bei uns durchschnittlich damit rechnen, 83,2 Jahre alt zu werden und Männer 78,5 Jahre, liegen die entsprechenden Werte in Brasilien (beides Stand 2024) bei 79,14 (Frauen) und 72,95 Jahren (Männer).